About

In der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erschütterte eine beispiellose Betrugsaffäre die deutsche Biowissenschaft, die immer mit den Namen Herrmann, Brach, Mertelsmann verbunden bleiben wird. Hochkarätige Kommisssionen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Hochschulrektorenkonferenz wurden beauftragt, Empfehlungen zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten auszusprechen und eine Musterverfahrensordnung zu erarbeiten. Diese Vorgaben mussten bis Sommer 2002 von allen deutschen Universitäten in eigene Verfahrensordnungen umgesetzt werden, sonst drohte der Ausschluss von der DFG Forschungsförderung.

Soweit die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Wie gestaltet sich der alltägliche Umgang mit den Irrungen und Wirrungen der Wissenschaft. Seit der Jahrtausendwende war ich als Whistleblower in diverse Ombudsfälle verstrickt. Der prominenteste betraf die Göttinger Urologen Kugler und Ringert, die der Datenmanipulation überführt wurden und ihren hochgepriesenen Nature Medicine Artikel zurückziehen mussten. Die zum Teil sehr intensiven und sehr persönlichen Erfahrungen haben mich gelehrt, dass Unredlichkeit kein Randphänomen der Wissenschaft und ihre Aufarbeitung kein hochrangiges Ziel des institutionalisierten Wissenschaftsbetriebs ist.

Diese bedrückende Erkenntnis teile ich mit dem Ombudsman der DFG (2011 umbenannt in Ombudsman für die Wissenschaft). Im Abschlussbericht für die Jahre 1999-2005 beklagte er, dass die bestehenden Ombuds- und Untersuchungsmöglichkeiten  viel zu wenig als ein Instrument der Qualitätssicherung genutzt würden. “Offensichtlich verkennen die betreffenden Wissenschaftseinrichtungen, dass nicht das aufgedeckte Fehlverhalten selbst zu einem Reputationsverlust der Institution führt, sondern der intransparente oder gar vertuschende Umgang mit diesen Vorwürfen.

In einem im Wissenschaftsmagazin ‘The Scientist’ veröffentlichten Artikel vertrete ich die Auffassung: “Sometimes going public with an accusation is the only way to bring the truth to light…The scientific community has to face the fact that ombudsman commissions are neither professional arbiters nor skilled investigators. We need to inquire how often they ignore the facts, or seek to conceal them, and we must not be quick to criticize those who sidestep the system by going public with their suspicions. Whistleblowers walk a fine line, and sometimes, being vocal about their knowledge is the best or only option available.”

Mit diesem Blog möchte ich einen Beitrag gegen den intransparenten und vertuschenden Umgang deutscher Universitäten mit wissenschaftlichem Fehlverhalten leisten. Die öffentliche Aufarbeitung konkreter Fälle soll die gravierenden Schwächen des deutschen Ombudswesens beispielhaft veranschaulichen.

Bis 2007 war ich als apl. Professor in der Grundlagenforschung am Institut für Immunologie der Georg-August-Universität Göttingen tätig. Private Gründe bewogen mich, aus dem Wissenschaftsbetrieb auszusteigen.

4 Antworten zu About

  1. Anonym schreibt:

    No news for a long time…
    Everything ok?

  2. Lilly schreibt:

    Wir vermissen Sie…
    We miss you…..

  3. Jessica schreibt:

    Hi Joerg – I wanted to make sure to send you a preview of a new infographic that shows the rise of plagiarism (and other forms of misconduct) in research and publishing. Feel free to post or share!

    http://www.ithenticate.com/research-misconduct-infographic

    Best regards,
    Jessica

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